Um die Entstehung des Dart-Sports ranken sich viele Vermutungen. Aufzeichnungen aus dem 19. Jahrhundert lassen vermuten, dass England das Mutterland des Darts ist. Der Name jedoch stammt aus dem Französischen. Die Franzosen pflegten nämlich bei Schlachten kleine speerähnliche Wurfpfeile als Waffen einzusetzen - die „dartes“.

Frühzeit

Die „dartes“ sind die jüngsten pfeilähnlichen Waffen (siehe Keith Turner den Autor des Buches "Darts - The complete Book of the Game"). Sie entstanden etwa im 5. Jahrhundert vor Christus. Pfeil und Bogen wurden vor 30.000 Jahren erstmals verwendet, Wurfspeere bereits vor 400.000 Jahren.

Schon ein wenig konkreter lesen sich Schilderungen über Darts im Mittelalter. Damals schoss niemand geschickter mit Pfeil und Bogen als die Angelsachsen (Robin Hood!). Königliche Schützen brachten den Franzosen fatale Niederlagen bei, zum Beispiel 1415 in der Schlacht bei Azincourt. Angeblich fiel der Sieg der Engländer nur so überwältigend aus, weil sie vorher eifrig trainiert hatten – mit abgebrochenen Pfeilspitzen, die sie auf die Altersringe von Baumstammscheiben warfen. In regnerischen Friedenszeiten langweilten sich die englischen Krieger auf ihrer Insel. Also verlegten sie – das besagt jedenfalls eine Variante der Ancecourt-Theorie – die ritterlichen Turniere einfach in Wirtshäuser. Dort wurde mit verkürzten Pfeilen und ohne Spanngerät auf die Scheiben frisch gefällter Stämme gezielt.

Allerdings kommen Zweifel auf. Erstens fehlen einem abgebrochenen Pfeil die Federn, die ihn auf eine berechenbare Flugbahn lenken. Und wieso profitieren Bogenschützen davon, wenn sie mit einem leichteren Flugkörper üben, den sie obendrein mit der Hand werfen? Die Engländer sprachen ab 1300 von "dartes" oder "darttes" – Ausdrücke für Pfeile und Lanzen, die allerdings zum Kämpfen oder Jagen eingesetzt wurden.

Im Jahr 1530 bekam König Heinrich VIII einen Satz reichverzierter Darts geschenkt - vermutlich kurze Speere, mit denen er jagte. Bedenkt man das Schicksal seiner Frau (Anne Boleyn), die ihm das Geschenk überreichte, so maß er ihm nicht allzu viel Bedeutung bei: Der Monarch ließ sie köpfen.

Moderne

  • 1898 ließ ein Amerikaner die ersten für Darts entwickelten Papierflights (Flügel am Ende des Schaftes zur Stabilisierung des Flugverhaltens) patentieren. Die ersten sportlichen Wettbewerbe fanden Anfang des 20. Jahrhunderts in Großbritannien statt.
  • 1896 ordnet der Zimmermann Brian Gamlin aus Bury (Lancaster) die Zahlen auf dem Zielbrett in eben der Reihenfolge an, die bis heute gilt.
  • 1898 wird in den USA der erste Flight aus Papier patentiert, der die bis dahin verwendeten Truthahnfedern ablöst.
  • 1901 erscheint im Stationer, Printer & Fancy Trades Register die erste bekannte Anzeige über Dartboards.
  • 1902 vermeldet eine Lokalzeitung aus Lancester die ersten Dart-Würfe mit der höchsten Punktzahl von 180 Punkten.
  • 1906 wird in Yorkshire der bis dahin hölzerne Dartkörper durch Metall ersetzt.
  • 1908 wird das Dartspiel zum Geschicklichkeitsspiel erklärt und darf in Pubs gespielt werden. Es wird berichtet, dass der Gastwirt Jim Garside (Inhaber des Adelphi Inn, Leeds, England) in seinem Pub ein Glücksspiel mit kleinen Pfeilen und einer Zielscheibe dulde. Während der Gerichtsverhandlung ging er mit Unterstützung des besten Dart-Spielers der Gegend, William 'Bigfoot' Anakin, in die Offensive. Eine Dartscheibe wurde im Gerichtssaal montiert und William 'Bigfoot' Anakin bewies dem Gericht seine Treffsicherheit, indem er dreimal die 20 traf. Ein Gerichtsdiener, der es ihm gleich tun sollte, traf nur mit einem Pfeil die Scheibe. Woraufhin Anakin die Demonstration seiner Treffsicherheit nochmals steigerte, indem er dreimal die zweifache 20 traf. Von so viel Können waren die Richter beeindruckt und fällten das Urteil: „This is no game of chance!“ (Übersetzung: Dies ist kein Glücksspiel).

Heutzutage

Ob Schweden oder Jamaica, Bahrain oder Holland, die Philippinen oder Australien - Darts wird heute rund um den Globus gespielt, zunehmend auch in Ländern wie Ungarn, Tschechische Republik und Russland. 56 nationale Darts-Organisationen (Stand 2002) vereinen 3,5 Millionen Mitglieder und sind in der „World Darts Federation“ (WDF) zusammengeschlossen. Hinzu kommen Länder mit Darts-Verbänden, die nicht zur WDF gehören.

Ungezählt sind die Gelegenheits-Darter, die nicht in Vereinen organisiert sind. Großbritannien aber ist die Bastion dieses Sports geblieben. Rund zwei Millionen Aktive spielen dort wettkampfmäßig Darts, einige weitere Millionen "just for fun".

Fernsehübertragungen mit Zuschauerquoten, die fast Wimbledon-Werte erreichten, haben Darts in England in den siebziger Jahren zum Massensport gemacht. Der Darts-Vollprofi wurde geboren, der im Namen von Brauereien, Tabakfirmen und Darts-Artikel-Herstellern aus dem Koffer lebt. In den letzten Jahren muss sich Darts verstärkt anderer Spielangebote wie Snooker und Poolbillard erwehren. Trotzdem setzt die britische Pfeil- und Zielscheiben-Branche jährlich immer noch rund 30 Millionen Pfund mit Darts-Produkten um, wovon über die Hälfte exportiert wird.

Auch Geld-schluckende Darts-Automaten machen dem Traditionsspiel zusehends zu schaffen. Trotzdem wird die klassische Spielart weiterhin Anhänger finden. Denn wie urteilte schon 1924 eine englische Darts Vereinigung: „lt is cheap, clean and skilful“ - »billig, sauber und ein Spiel voller Gewandtheit« sei Darts. Ein Spieler aus Hessen meinte anno 1993: »Am schönsten finde ich an Darts, daß es völlig egal ist, ob man groß oder klein, dick oder dünn, Links- oder Rechtshänder ist.« Dem wäre nur hinzuzufügen: Es spielt auch keine Rolle, ob ein Dartswerfer jung oder alt, Groß- oder Kleinverdiener ist.